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Nachhaltigkeit ist kein neues Konzept in der Fertigungsindustrie. Bereits Ende der 80er Jahre wurde von Vorreitern in der Branche festgestellt, dass in der Fertigungsindustrie ein beachtliches Potenzial zur Verbesserung der Umweltbilanz steckt. Aufgrund ihres umfangreichen Expertenwissens und ihrer technischen Ressourcen sind gerade Fertigungsunternehmen in der Lage, viele ökologische und soziale Herausforderungen zu bewältigen, mit denen wir heute konfrontiert sind, und gleichzeitig ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

In diesem Blog-Beitrag erörtern wir fünf gute Gründe, warum Fertigungsunternehmen bereits heute das Thema Nachhaltigkeit in ihren Betrieben stärker berücksichtigen sollten:

  1. Veränderungen in der Gesetzgebung
  2. Veränderte Nachfrage
  3. Auswahl der Lieferanten
  4. Gewinnung qualifizierter Fachkräfte
  5. Reputation / Ansehen des Unternehmens

1 | Gesetze und Vorschriften von heute und morgen – Die zunehmende Rolle von Gesetzgebern und Politikern bei der Durchsetzung von Nachhaltigkeit


Die EU ist weltweit zum Vorreiter für Gesetzgeber und politische Entscheidungsträger in Sachen Nachhaltigkeit geworden. Die neue EU-Richtlinie Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist ein Beispiel für die wegweisende Arbeit, die sie in diesem Bereich leistet. Obwohl die Richtlinie derzeit nur für große Unternehmen und börsennotierte KMU gilt, vermittelt sie einen Eindruck, was noch kommen wird. Die EU als Vorreiter, die Gesetzgebung und die politischen Entscheidungsträger weltweit sollen eine maßgebliche Rolle bei der Beschleunigung des Wandels hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft spielen, wobei vor allem die Unternehmen im Fokus sind, die den Großteil der Emissionen verursachen. Da dies nur ein Anfang ist, sollten solche Signale nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Selbst wenn ein Unternehmen heute noch nicht von diesen Gesetzesänderungen betroffen ist, ist es sicher, dass die Gesetzesänderungen und Vorschriften hier nicht Halt machen werden. Um heute und in Zukunft rechtskonform und gleichzeitig auch wettbewerbsfähig zu sein, ist es für die Unternehmen immens wichtig, schon heute die Nachhaltigkeit in ihre Abläufe zu integrieren.

Auch wenn ein verstärkter Regulierungsdruck immer auch einen negativen Beigeschmack hat, z. B. aufgrund möglicher kurzfristiger Mehrkosten, so eröffnet er dennoch Chancen, langfristig Gewinne zu erzielen: Neue Geschäftsmodelle, Produkte und echte Innovationen sind gute Beispiele dafür, wie eine „erzwungene“ Einführung nachhaltigerer Maßnahmen auf Unternehmensebene positives bewirken kann – ganz zu schweigen von den durchaus erwünschten ökologischen und sozialen Effekten, die diese auf globaler Ebene haben.   

2 | Antwort auf eine volatile Nachfrage – Zunehmender Markttrend nach nachhaltigeren Produkten und Dienstleistungen

Neben den Gesetzesänderungen und Vorschriften im ökologischen Bereich nimmt auch die Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten und Dienstleistungen ständig zu. Mehrere Studien zeigen, dass umweltfreundliche und sozial verantwortliche Produkte und Dienstleistungen aufgrund zunehmender Akzeptanz beträchtlich an Marktanteilen gewinnen. Nachhaltige Innovationen werden zu einem entscheidenden Faktor für echte Wettbewerbsvorteile. Diesen Wandel erkennen auch Investoren, die vor ihrer Entscheidung z. B. die Risiken auf Grundlage von Nachhaltigkeitskriterien und -maßnahmen der jeweiligen Unternehmen analysieren: So wird beispielsweise das Ziel zur Reduzierung von CO2-Emissionen für einige Anleger und Institutionen wie Banken bereits als ein zentraler Indikator für einen Wettbewerbsvorteil gesehen, indem sie Unternehmen, die umweltfreundlicher agieren, z. B. Darlehen mit niedrigeren Zinssätzen anbieten.

3 | Win Contracts – Nachhaltigkeit bei der Lieferantenauswahl

Mehrere Faktoren beeinflussen die Entscheidung eines Kunden, wenn verschiedene Anbieter zur Auswahl stehen. Dabei geht es nicht allein um den Preis, sondern zunehmend auch um Nachhaltigkeitsaspekte, die beim Vergleich verschiedener Lieferanten eine Rolle spielen. Early Adopters und vor allem die Unternehmen, die sich z. B. der Science Based Targets Initiative, verpflichtet haben, arbeiten nun an ihren Lieferketten, um auch in dieser Hinsicht die Vorschriften einzuhalten. Obwohl dies keine leichte Aufgabe ist und gewisse Zeit benötigt, bis Nachhaltigkeitsaspekte ein wesentlicher Bestandteil in Prozessen zur Entscheidungsfindungen werden, hat dies bereits Auswirkungen auf konkrete Anforderungen an potentielle Zulieferer: Bei der Angebotsabgabe werden die Zulieferer beispielsweise aufgefordert, ausreichende Nachweise dafür zu erbringen, dass ihre Tätigkeiten in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung rechtskonform sind. Gelingt ihnen dies nicht, kommt das Geschäft nicht zustande, was sich direkt auf die Produktivität des Lieferanten auswirkt.

4 | Talente anziehen – Nachhaltigkeit als entscheidender Grund, für wen man arbeitet

Viele Unternehmen in der Fertigungsindustrie haben bereits jetzt Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Während ein Großteil der älteren Generation in den Ruhestand geht und damit leider auch einen großen Teil des Know-hows mitnimmt, fällt es der jüngeren Generation schwer, in dieser Branche eine berufliche Zukunft zu sehen. Gerade die, die jetzt in den Arbeitsmarkt eintreten, achten bei der Auswahl des künftigen Arbeitgebers vermehrt auf die Werte eines Unternehmens und lassen sich nicht durch schöne und zumeist oberflächliche Marketingbotschaften beirren, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht.

Zu einem interessanten Ergebnis kamen Wu & Pagell (2010) in ihrer Studie Balancing priorities: Decision-making in sustainable supply chain management: Jedes der untersuchten Unternehmen gab an, dass es mehrere Mitarbeiter hat, die sich für das Unternehmen aufgrund ihrer nachweislich konkreten nachhaltigen Maßnahmen entschieden haben und einige dieser Mitarbeiter hatten sogar eine besser dotierte Stelle bei einem weniger nachhaltigem Unternehmen abgelehnt. Diese Unternehmen gaben an, dass nachhaltiges Agieren einerseits zu direkten Kosteneinsparungen führte und dass sie sich andererseits dank gezielter Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt abgrenzen konnten und nicht mit Gehältern konkurrieren mussten. Auch die Unternehmen, die in der Studie im oder über dem Branchendurchschnitt bezahlten, gaben an, dass die Gewinnung solcher Mitarbeiter für das Unternehmen letztendlich zu Kosteneinsparungen führte, da die Hauptmotivation der Personen nicht wirtschaftlich begründet war und sich somit in in einer höheren Effizienz niederschlug.

5 | Mit nachhaltigem Handeln ein gutes Image erarbeiten

Es versteht sich schon fast von selbst, dass die mangelnde Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung bereits kurzfristig ein Image-Risiko darstellt. Es gibt eine Reihe von Beispielen, bei denen Unternehmen mit Problemen, Umsatzeinbußen und strafrechtlichen Maßnahmen infolge einer unzureichenden Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards zu kämpfen hatten. Diese Entwicklung wird in Zukunft nicht nur aufgrund strengerer Gesetze, Vorschriften und Richtlinien zunehmen, sondern findet auch weltweit immer mehr Beachtung in den sozialen und öffentlichen Medien – mit entsprechend negativen Auswirkungen potenzieller Regelverstöße auch auf die Unternehmensleistung.

Nachhaltigkeit, wenn sie erfolgreich umgesetzt und als Markzeichen des Unternehmens mit konkreten Maßnahmen etabliert wird, wirkt sich indes positiv auf die finanzielle Entwicklung des Unternehmens aus, da die Produkte und/oder Dienstleistung an breiter Akzeptanz gewinnen und somit die Nachfrage geradezu zwangsläufig steigen muss.